Die Gaggia Classic der Baujahre 2015 bis 2018 (Modell 9403) unterscheidet sich in einigen wesentlichen Details von der bekannten Classic vor 2015 (Modell 9303) bzw. der Classic Pro ab 2019 (Modell 9480):

  • Die 9403 hat anstelle des bekannten Aluminiumkessels mit den beiden aussenliegenden U-förmigen Heizelementen einen Boiler aus Edelstahlblech mit einem innenliegenden Heizwendel. Bauform und Größe entsprechen z.B. den Kesseln der Saeco Aroma bzw. der La Pavoni EPL.
  • Die 9403 hat kein Magnetventil wie die Vorgängerin 9303 bzw. die Nachfolgerin 9480, von aussen ist das gut durch das fehlende Abwasserröhrchen auf der linken Seite zu erkennen. Daher kann mit der 9403 „nur“ die Ausbaustufe PID-Only realisiert werden. Für den Vollausbau inkl. Preinfusion wird das Magnetventil zwingend benötigt. Allerdings bringt der reine PID bereits den deutlich größeren Sprung in Sachen Espressoqualität mit sich, daher lohnt der Umbau in jedem Fall.
  • Die 9403 hat dank der EU-Gesetzgebung eine Abschaltautomatik integriert, welche die Maschine nach nur 9 Minuten „Nichtstun“ abschaltet. Das kann zum Problem werden, da die Maschine ca. 6 Minuten zum aufheizen benötigt und man dann quasi sofort einen Espresso ziehen müsste. Einfach einschalten, duschen gehen und danach den ersten Espresso des Tages geniessen geht also nicht so richtig gut… Die Automatik ist in die Hauptplatine der Maschine integriert und daher erstmal nicht dauerhaft umgehbar. Allerdings gibt es den simplen Trick den Powerbutton mittels einer Plastikkarte o.ä. festzuklemmen. Dann läuft die Maschine so lange bis man den verklemmten Button wieder befreit. Sieht doof aus, funktioniert aber… Alternativ könnte man auch den Power Button gegen den einrastenden Schalter des Dampf- oder Bezugsschalters ersetzen. 
  • Die Steckerformate sind in der 9403 leider nicht einheitlich gehalten: der Netzstecker und die Pumpe haben die bekannten 6,3 mm breiten Flachstecker welche in unserer Bestellliste verlinkt sind. Die 3 Bedienschalter der Maschine, die Thermostate und die Heizung haben Stecker mit nur 4,8 mm Breite. Daher muss bei den Verbindungskabeln vom SSR zu den Thermostatanschlüssen beachtet werden, dass die passenden Flachstecker mit 4,8 mm verwendet werden. Die 6,3 mm Flachsteckhülsen mit Abzweig zum Anschluss des Netzteils an den Netzstecker der Maschine können weiterhin verwendet werden.

Das SSR musste ich an der rechten Maschinenseite verbauen da an der sonst gewohnten linken Seite der umfangreiche Kabelbaum der Maschine sitzt.

Die Thermostate für Dampf- und Brühwassertemperatur sitzen direkt nebeneinander am Kessel und sich nicht vertauschungssicher montiert. Farbkleckse zur Kennzeichnung konnte ich auch keine erkennen. Verlasst euch beim Einbau nicht 100% auf die im Netz zu findende Explosionszeichnung der 9403, bei der durch mich umgebauten Maschine waren die Thermostate genau seitenverkehrt montiert. Das Resultat war das merkwürdige Verhalten, dass bei 85°C die Temperatur nicht weiter anstieg obwohl der PID mit 100% Output Vollgas gegeben hat… Der Tausch der mit dem SSR verbundenen Thermostatstecker gegen die des richtigen Thermostats hat das Problem dann gelöst.

Den TSIC 306 Temperatursensor kann man wunderbar unter der Halteklemme der beiden Thermostate einkleben.

Die letzte Herausforderung war es schließlich die Stromversorgung des Netzteils (PSU) so zu gestalten, dass die NodeMCU nur dann Strom bekommt, wenn die Maschine auch läuft. Da der Powerknopf der 9403 nur ein Taster ist und kein Schalter, fiel der direkte Anschluss einer Phase des Netzteileingangs analog zur 9303 leider aus. Die Lösung bestand darin, eine Phase des Netzteils mittels Lüsterklemme an die schwarze Leitung der Power-Leuchte zu klemmen. Die geringe Leistungsaufnahme der NodeMCU stört die Leuchte nicht im geringsten und die NodeMCU läuft so nur wenn sie es auch soll.

Durch den dünnwandigen Blechkessel unterscheiden sich die PID-Parameter der 9403 recht deutlich von den bekannten Werten der 9303. Die 9403 reagiert deutlich weniger träge auf Heizimpulse des PIDs, sprich schiesst leichter über das Soll hinaus. Mit den folgenden Parametern konnte die 9403 innerhalb von ca. 6 Minuten auf Solltemperatur einregeln und ohne große Überschwinger nach Bezug wieder aufs Soll kommen. Die verwendete Software ist die aktuelle Master 2.1.1.

Mit den Parametern ergibt sich folgendes Bild beim Kaltstart: 

Beim realen Bezug (Tasse wärmen / Bezug / Brühgruppe spülen) ergibt sich dann folgendes Bild:

Zusammenfassend kann ich sagen, dass der Einbau des PIDs in die 9403 durchaus machbar ist, deutlich schrauberfreundlicher (geschraubte anstelle gecrimpter Schlauchverbindungen, einheitliches Steckerformat 6,3 mm, einstellbares Expansionsventil, Magnetventil) und damit empfehlenswerter ist aber die Vorgängerin 9303 bis Baujahr 2014. Auch das Regelverhalten der Aluminiumkessel-Gaggias 9303 bzw. 9480 ist leichter beherrschbar, die 9403 schiesst leichter übers Ziel hinaus im Vergleich zu Ihren Aluminium-Schwestern.